Kontinent Vietnam

Reistrommel begeisterte Besucher des Fünf-Kontinente-Festes
2007: 1 Adicanfo, Dankezu, Tanz & Theater 2 Didgeridoo, Rasika, Reistrommel, Capoeira ... 3 Barnimplatz

Reistrommel Da werden sich die Veranstalter des Festes der fünf Kontinente wohl für das nächste Jahr etwas einfallen lassen müssen. Denn Asien stand in diesem Jahr schon im Mittelpunkt. Obwohl: Asien im Mittelpunkt bedeutet in diesem Falle auch den Höhepunkt. So betrachtet, wäre nichts dagegen einzuwenden, wenn auch im nächsten Jahr wieder der Reistrommel e.V. den Festbesuchern einen kleinen Einblick in die vietnamesische Kultur gewähren würde. Mondfest mit Drachentanz, Kung-Fu-Darbietungen, traditionelle und moderne Lieder und Tänze aus Vietnam, das Lied der Reistrommel als krönender Abschluß.

Der Fotografierende, der in der Menge stand, in der Nähe der Bühne, mit zunehmend tauber werdenden Ohren und von einem Kinderwagen überrollten Zehen, hatte genug Zeit zum Nachdenken. ReistrommelNatürlich verglich er das diesjährige Fünf-Kontinente-Fest mit dem, was er in den zurückliegenden drei Jahren gesehen und gehört hatte. Und er kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Fest in diesem Jahr weniger interkontinental war, als in den vorangegangenen. Dafür hatte der Nachwuchs in diesem Jahr eine größere Chance – und es wurde außerdem gedoubelt. Die jungen Artisten des Zirkus Cabuwazi, die Linedance-Gruppe der Selma-Lagerlöf-Grundschule, die Kindertanzgruppe „Regenbogenperlen“ des Kulturring in Berlin e.V., das Duo C.N.R.C. – deutsch-russischer Rap mit Schülern der Johann-Julius-Hecker-Oberschule – nutzten ihre Chance. Eine Stunde lang trat Elvis Presley auf – gedoubelt.

Im vorigen Jahr war es noch eine kulturelle Weltreise, die insgesamt durch mehr Echtheit und Vielfalt bestach. Sie führte von Russland über Afrika und Indien bis nach Chile, sie zeigte Traditionelles und Modernes aus Tadshikistan und Moldova, Roma- und Sinti-Musik erklang, Brasilien wirbelte im Sambaschritt über die Bühne. Im Jahr zuvor war Mexiko zu Gast – ungedoubelt. Musik aus Neapel erklang – auch original. Orientalische Weltmusik war zu hören.

Richtig: Orientalischer Bauchtanz mit Jacqueline begeisterte auch diesmal wieder die Zuschauer. Und Afrika war ja auch vertreten – Dazaa Dazaa aus Nigeria, ein „Allroundgenie“, u.a. Sänger, Tänzer, Songschreiber, Musiklehrer. Mit afrikanischem Temperament wurden traditionelle Musik, Tanz und Percussion dargeboten.

Wenn ich das Anliegen des Fünf-Kontinente-Festes richtig verstanden habe, ging es ursprünglich auch darum, ein wenig von dem Hauch der weiten interkulturellen Welt in den Marzahner Nordwesten zu holen. Egal, ob diese weit entfernte Welt Berlin-Charlottenburg heißt oder Südamerika. Das ist in diesem Jahr – aber das ist meine persönliche Meinung - weniger gut gelungen als in den Jahren zuvor. Vielleicht war es aber auch der Schatten des 30. Geburtstages von Marzahn-Hellersdorf, der die Kontinente schrumpfen ließ. Denjenigen, die beide Feste besuchten, konnte der Kontrast zwischen der ordentlich gesponserten Festwiese gegenüber den Gärten der Welt und dem Fest auf dem Barnimplatz, dem in diesem Jahr offensichtlich die Mittel verknappt wurden, nicht verborgen bleiben.

Wie stets waren zahlreiche Vereine mit ihren Ständen vertreten. Es gab ein umfangreiches kulinarisches Angebot. Wer von den Besuchern wollte, konnte sich an den Ständen der hier vertretenen Vereine und Einrichtungen ausgiebig über deren Arbeit informieren. Und wer Lust hatte, an einem kleinen Trommelkurs teilzunehmen, erhielt auch dazu Gelegenheit. Kinder konnten, wie schon in den Vorjahren, Karussell fahren – nicht mehr kostenlos wie noch vor zwei Jahren, sondern zum Sonderpreis für einen Euro pro Fahrt.

Das Publikum war, wie immer, zahlreich erschienen und begeisterte sich trotz aller Sparmaßnahmen am dargebotenen Programm. Ob es, das Publikum, wusste, dass etwa fünf Minuten vom Barnimplatz entfernt, eine Theatergruppe auch auf Besucher wartete? Zehn Minuten vor Spielbeginn war der Zuschauerraum des Theaters noch leer. Und ein einsamer Besucher, der einmal kurz den Barnimplatz verlassen hatte, um im Theater vorbeizuschauen, fragte sich, warum die Schauspieler nicht auf der Bühne des Fünf-Kontinente-Festes waren; dort, auf dem Barnimplatz, hätten sie jede Menge Zuschauer gehabt.

Text und Fotos: Reinhard Hoßfeld

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© 2009 Reinhard Hoßfeld